Photovoltaik:
Solarstrom und Solarzellen in Theorie und PraxisDas
Wort Photovoltaik ist eine Zusammensetzung aus dem griechischen Wort für
Licht und dem Namen des Physikers Alessandro Volta. Es bezeichnet die direkte
Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie mittels Solarzellen.
Der Umwandlungsvorgang beruht auf dem bereits 1839 von Alexander Bequerel entdeckten
Photoeffekt. Unter dem Photoeffekt versteht man die Freisetzung von positiven
und negativen Ladungsträgern in einem Festkörper durch Lichteinstrahlung.
Wie
funktioniert eine Solarzelle? | |
Solarzellen
bestehen aus verschiedenen Halbleitermaterialien. Halbleiter sind Stoffe, die
unter Zufuhr von Licht oder Wärme elektrisch leitfähig werden, während
sie bei tiefen Temperaturen isolierend wirken. Über 95 % aller auf der
Welt produzierten Solarzellen bestehen aus dem Halbleitermaterial Silizium (Si).
Silizium bietet den Vorteil, daß es als zweithäufigstes Element der
Erdrinde in ausreichenden Mengen vorhanden und die Verarbeitung des Materials
umweltverträglich ist. Zur Herstellung einer Solarzelle wird das Halbleitermaterial
"dotiert". Damit ist das definierte Einbringen von chemischen Elementen
gemeint, mit denen man entweder einen positiven Ladungsträgerüberschuß
(p-leitende Halbleiterschicht) oder einen negativen Ladungsträgerüberschuß
(n-leitende Halbleiterschicht) im Halbleitermaterial erzielen kann. Werden
zwei unterschiedlich dotierte Halbleiterschichten gebildet, entsteht an der Grenzschicht
ein sogenannter p-n-Übergang. 
Prinzipieller
Aufbau einer kristallinen Solarzelle An
diesem Übergang baut sich ein inneres elektrisches Feld auf, das zu einer
Ladungstrennung der bei Lichteinfall freigesetzten Ladungsträger führt.
Über Metallkontakte kann eine elektrische Spannung abgegriffen werden. Wird
der äußere Kreis geschlossen, das heißt ein elektrischer Verbraucher
angeschlossen, fließt ein Gleichstrom. Siliziumzellen sind etwa 10
cm ´ 10 cm groß (seit kurzem auch 15 cm ´ 15 cm). Eine durchsichtige
Antireflexschicht dient zum Schutz der Zelle und zur Verminderung von Reflexionsverlusten
an der Zelloberfläche.
Eigenschaften
einer Solarzelle | |
Die
an Solarzellen abgreifbare Spannung ist abhängig vom Halbleitermaterial.
Bei Silizium beträgt sie etwa 0,5 V. Die Klemmenspannung ist nur schwach
von der Lichteinstrahlung abhängig, während die Stromstärke bei
höherer Beleuchtungsstärke ansteigt. Bei einer 100 cm² großen
Siliziumzelle erreicht die maximale Stromstärke unter Bestrahlung von 1.000
W/m² etwa einen Wert von 2 A .  | Strom-Spannungs-Kennlinie einer
Si-Solarzelle |
Die
Leistung (Produkt aus Strom und Spannung) einer Solarzelle ist temperaturabhängig.
Höhere Zelltemperaturen führen zu niedrigeren Leistungen und damit zu
einem schlechteren Wirkungsgrad. Der Wirkungsgrad gibt an, wieviel der eingestrahlten
Lichtmenge in nutzbare elektrische Energie umgewandelt wird.
| Unterschiedliche
Zelltypen | |
Je
nach Kristallart unterscheidet man drei Zelltypen: monokristallin, polykristallin
und amorph. Zur Herstellung von monokristallinen Siliziumzellen benötigt
man hochreines Halbleitermaterial. Aus einer Siliziumschmelze werden einkristalline
Stäbe gezogen und anschließend in dünne Scheiben gesägt.
Dieses Herstellungsverfahren garantiert relativ hohe Wirkungsgrade. Kostengünstiger
ist die Herstellung von polykristallinen Zellen. Dabei wird flüssiges Silizium
in Blöcke gegossen, die anschließend in Scheiben gesägt werden.
Bei der Erstarrung des Materials bilden sich unterschiedlich große Kristallstrukturen
aus, an deren Grenzen Defekte auftreten. Diese Kristalldefekte haben einen geringeren
Wirkungsgrad der Solarzelle zur Folge. Wird auf Glas oder anderes Substratmaterial
eine Siliziumschicht abgeschieden, spricht man von amorphen- oder Dünnschichtzellen.
Die Schichtdicken betragen weniger als 1 µm (Dicke eines menschlichen Haares:
50-100 µm), so daß die Produktionskosten allein wegen der geringeren
Materialkosten niedriger sind. Die Wirkungsgrade amorpher Zellen liegen allerdings
noch weit unter denen der anderen beiden Zelltypen. Anwendung finden sie vor allem
im Kleinleistungsbereich (Uhren, Taschenrechner) oder als Fassadenelemente.
| Material
| Wirkungsgrad
in % Labor | Wirkungsgrad
in % Produktion | | Monokristallines
Silizium | etwa
24 | 14
bis 17 | | Polykristallines
Silizium | etwa
18 | 13
bis 15 | | Amorphes
Silizium | etwa
13 | 5
bis 7 |
Um
für die unterschiedlichen Anwendungsbereiche geeignete Spannungen bzw. Leistungen
bereitstellen zu können, werden einzelne Solarzellen (üblicherweise
72 Stück) zu größeren Einheiten (Modul) miteinander verschaltet.
Eine Serienschaltung der Zellen hat eine höhere Spannung zur Folge, eine
Parallelschaltung einen höheren Strom. Die miteinander verschalteten Solarzellen
werden meist in transparentem Ethylen-Vinyl-Acetat eingebettet, mit einem Rahmen
aus Aluminium oder Edelstahl versehen und frontseitig transparent mit Glas abgedeckt.
Die typischen Nennleistungen solcher Solarmodule liegen zwischen 10 Wpeak
und 100 Wpeak. Die Kenndaten der Solarmodule beziehen sich auf die Standardtestbedingungen
von 1000 W/m² Sonneneinstrahlung bei 25 °C Zelltemperatur. Die von den
Herstellern angegebenen Garantiezeiten sind mit in der Regel 20 bis 25 Jahren
recht hoch und bezeugen den hohen Qualitätsstandard und die hohe Lebenserwartung
heutiger Produkte.
| Das
schwächste Glied | | |
Jede
Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Diese Tatsache
sollte auch und vor allem bei der Installation einer Photovoltaik-Anlage
beachtet werden. Denn wie die Zellen im Modul, so sind in der
Regel auch die Module hintereinander, also in Reihe (Strings)
verschaltet. Wenn nun ein Modul zum Beispiel durch Verschattung
oder aufgrund von Fertigungstoleranzen weniger Leistung bringt
, als alle anderen in
diesem String (Strang, Reihe), dann ist dieser String auf die
Leistung dieses Modules beschränkt! Schon eine sehr geringe
Verschattung auf einem einzigen Modul (zum Beispiel Oberleitung,
Antenne ect.) kann also die Leistung der PV-Anlage deutlich schmälern!
Achten Sie deshalb ganz genau auf potenzielle Schattenspender
und auch unbedingt darauf, dass nach Möglichkeit keine oder
nur sehr geringe Leistungsschwankungen innerhalb der Module eines
Strings vorhanden sind! Oder noch besser, Sie bestehen auf Parallelverschaltung
der einzelnen Module (nicht nur der Strings). Momentan gibt es
aber, aufgrund der hierfür notwendigen und aufwendigeren
Wechselrichtertechnik, kaum Anbieter auf dem Markt. Trotzdem lohnt
es sich, danach zu fragen! Auch aus Sicherheitsgründen ist
die Parallelverschaltung einer Reihenverschaltung vorzuziehen


| | Natürliche
Grenzen beim Wirkungsgrad | |
Außer
an der Optimierung von Produktionsprozessen arbeitet man auch an einer Erhöhung
der Wirkungsgrade, um zu einer Verbilligung der Solarzellen zu kommen. Unterschiedliche
Verlustmechanismen setzen diesem Vorhaben aber Grenzen. Grundsätzlich sind
die einzelnen Halbleitermaterialien oder -kombinationen nur für bestimmte
Spektralbereiche des einfallenden Lichtes geeignet. Ein bestimmter Anteil der
Strahlungsenergie kann also nicht genutzt werden, weil die Lichtquanten (Photonen)
nicht über ausreichend Energie verfügen, um Ladungsträger "aktivieren"
zu können. Auf der anderer Seite wird ein gewisser Anteil an Photonen-Überschußenergie
nicht in elektrische Energie, sondern in Wärme umgewandelt. Hinzu kommen
optische Verluste, wie die Abschattung der Zelloberfläche durch die Kontaktierung
oder die Reflexion einfallender Strahlung an der Zelloberfläche. Auch elektrische
Widerstandsverluste im Halbleiter und in den Anschlußleitungen sind als
Verlustmechanismen zu nennen. Der störende Einfluß von Materialverunreinigungen,
Oberflächeneffekten und Kristalldefekten ist ebenfalls nicht unerheblich.
Einzelne Verlustmechanismen (Photonen mit zu geringer Energie werden nicht
absorbiert, Photonen-Überschußenergie wird in Wärme umgewandelt)
können nicht weiter optimiert werden, weil sie aus physikalischen Gründen
durch das verwendete Material vorgegeben sind. Dies führt zu einem theoretisch
maximalen Wirkungsgrad von beispielsweise etwa 28 % bei kristallinem Silizium.
 | Maximale theoretische Wirkunsgrade verschiedener Solarzellen
bei Standardbedingungen |
Oberflächenstrukturierung
zur Verminderung von Reflexionsverlusten: Zum
Beispiel Aufbau der Zelloberfläche in Pyramidenstruktur, damit einfallendes
Licht mehrfach auf die Oberfläche trifft. Neue Materialien: Zum Beispiel
Galliumarsenid (GaAs), Cadmiumtellurid (CdTe) oder Kupfer-Indium-Diselenid (CuInSe2).
Quelle: http://www.photovoltaik-in.de/
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